Brno (Brün)

Brno (Brünn) ist die zweitgrößte Stadt der Tschechischen Republik und das Verwaltungszentrum des Bezirks Süd-mähren und ganz Mährens. 1945 waren ein Viertel seiner Einwohner Deutsche.

Die günstige Lage am Zusammenfluss von Svitava und Svratka inmitten des Brünner Beckens lud zur Besiedlung ein. Bereits im 8. Jahrhundert kamen die Slawen in dieses Gebiet. Anfang des 12. Jahrhunderts ließen sich hier die ersten, überwiegend deutschen Siedler nieder. Es kamen aber auch Siedler aus anderen Gebieten, unter ihnen auch Juden. Die größte Blüte erlebte die Königsstadt Brno im 14. Jahrhundert, sie wurde Sitz der Markgrafschaft Mähren und hatte ihre eigene rechtliche und – heute würden wir sagen – organisatorische Ordnung. Es wurden viele Kirchen und Klöster gebaut, von denen hier zumindest zwei erwähnt werden sollen: Die älteste Kirche Brünns mit Grundmauern aus dem 12. Jahrhundert ist die spätgotische Peter- und Paulskathedrale, die heute nationales Kulturdenkmal ist. Im 18. Jahrhundert wurde die Kathedrale barockisiert. Der Altar ist neugotisch. Die Kathedrale zieren zwei stolze, 84 Meter hohe Türme. 1904–1905 wurde die Kirche im neugotischen Stil umgebaut. Die zweite Kirche ist die spätgotische St. Jakobuskirche in der Rašínova-Straße, die anstelle der ursprünglichen Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert errichtet wurde, welche zum Marktflecken der Siedler aus Deutschland und Flandern gehörte.

Von den zahlreichen historischen Bauten darf das Wahrzeichen der Stadt, die Burg und Barockfestung Spielberg, nicht unerwähnt bleiben. In ihrem Ostflügel befindet sich der gotische Palast der Königsburg aus dem 13. Jahrhundert. Als Gefängnis erlangte Spielberg traurige Berühmtheit.

Die bewegte Geschichte unseres Landes wirkte sich in den folgenden Jahrhunderten auch immer wieder auf die Stadt Brno aus. In der Zeit der hussitischen Kriege stand die Stadt auf der Seite König Siegmunds, später widersetzte sie sich Georg von Podiebrad, der aber dank seines diplomatischen Geschicks schlichten konnte.

Im 16. Jahrhundert gelangte die Lehre Martin Luthers nach Brno, die hier dankbar aufgenommen wurde und sich schnell verbreitete, insbesondere unter den deutschen Bürgern, ebenso wie wenig später die Lehre Johannes Calvins unter den tschechischen Protestanten.

Brno war bis zur Ankunft der Jesuiten 1572 und dem späteren Wirken Kardinal Franz Seraphs von Dietrichstein, die die Durchsetzung des Katholizismus radikal vorantrieben, eine Stadt der Toleranz. Da sie mit dem Ständeaufstand 1618 sympathisiert hatten, wurden die Brünner Bürger nach der Schlacht am Weißen Berg hart bestraft. Anders als in Prag kam es aber nicht zu Hinrichtungen, was Karl dem Älteren von Zerotein zu verdanken war. Dieser hatte sich zwar gegen den Ständeaufstand gewandt, trat aber in Brno für eine mildere Bestrafung der Angeklagten ein. Die „Erneuerte Landesordnung“ von 1627 machte die Hoffnung der mährischen Evangelischen auf eine Wiederkehr der religiösen Freiheit endgültig zunichte. 1630 war die Rekatholisierung Mährens praktisch abgeschlossen.

Im Dreißigjährigen Krieg trotzte die Stadt der Belagerung durch die Schweden und durchlebte gemeinsam mit dem ganzen Land die schweren Zeiten der langjährigen religiösen Unterdrückung. Das Toleranzpatent von 1781 brachte ihr schließlich zumindest teilweise religiöse Freiheit. In dieser Zeit kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, man gründete die ersten Manufakturen (in denen vor allem feines Tuch gefertigt wurde) und in die Städte strömten Menschen aus dem ländlichen Raum, die meist evangelisch waren. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt Brno als Großstadt und mährische Metropole.

In den Kirchen der Deutschen, die in Brno lebten, war die lutherische Lehre freudig aufgenommen worden. Mit Unterstützung des Fabrikanten J. L. Kö-ffiller wurde 1782 eine lutherische Gemeinde der Deutschen Evangelischen Kirche gegründet. 1863–1867 wurde auf dem späteren Comenius-Platz nach einem Entwurf des Wiener Architekten Heinrich von Ferstel eine dreischiffige neugotische Kirche mit einem 45 Meter hohen Turm gebaut. Damals war die Christuskirche, auch „Rote Kirche“ genannt, das größte evangelische Bauwerk in den katholischen Ländern. Im eindrucksvollen Innenraum der Kirche sind die marmorne Kanzel und die Orgel von 1887 besonders bemerkenswert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rote Kirche am Comenius-Platz der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) zur Nutzung überlassen und dient seither, neben der Bethlehemskirche in der Pellicova-Straße, der Gemeinde Brno I als Versammlungsort. In der Opletalova-Straße befindet sich ein Gemeindehaus, das teilweise von einer der beiden Schulen der Evangelischen Akademie (EA), der Fachhochschule für Sozialwesen und Recht, genutzt wird. (Die andere Schule der EA in Brno ist die Fachoberschule für Gesundheit in Brno-Líšeň).

Aber zurück zur Geschichte der tschechischen Protestanten in Brno. Nach dem Erlass des Toleranzpatents fanden gemeinsame Gottesdienste mit der deutschen Gemeinde statt. Später wurden die tschechischen reformierten Christen Filialgemeinde von Nosislav und 1906 wurde in Brno eine eigenständige Gemeinde gegründet. In dieser Zeit stand bereits die Bethlehemskirche in der heutigen Pellicova-Straße. Der erste Gottesdienst in dieser neoklassizistischen Kirche mit einem markanten Eingangsportal und einem großen Gottesdienstraum fand am 23. Mai 1895 statt. Die Kirche und das Gemeindehaus nahmen am Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Bombardierung der Stadt ernstlichen Schaden.

Die Zahl der evangelischen Christen in Brno nahm zu und so wurde Anfang des 20. Jahrhunderts beschlossen, ein Gemeindehaus zu bauen, das dem Hus-Haus in Prag ähneln sollte. Der Erste Weltkrieg setzte den großen Plänen der Gemeinde aber ein vorläufiges Ende. Das moderne Blahoslav-Haus wurde am 14. September 1924 feierlich eröffnet und wird mit seinen Mehrzwecksälen, dem Gottesdienstraum und Übernachtungsmöglichkeiten (damals dachte man dabei an Studenten, Soldaten und Christen aus der Provinz) bis heute von der Kirchengemeinde Brno II genutzt. An die Gemeinderäume schließt sich ein Wohnhaus an, in dem der Pfarrer und andere kirchliche Mitarbeiter wohnen.

In der Konečného-Straße in Brno-Židenice wurde 1929 eine Kirchengemeinde gegründet. Die aktive Gemeinde begann schon bald, über den Bau einer eigenen Kirche nachzudenken und dank der Pläne des Architekten Miloslav Tejc, der auch Glied der Gemeinde war, und des Fleißes von Bauleiter Zukal und Gliedern der Gemeinde konnten dort am 2. Juni 1935 eine geräumige funktionalistische Kirche und ein Gemeindehaus eröffnet werden. Im Turm wurden drei Glocken angebracht, die von einem Gemeindeglied gestiftet wurden, von denen jedoch nur eine erhalten blieb. Von den Luftangriffen am Ende des Zweiten Weltkriegs war nämlich auch die neue Kirche in Židenice betroffen. Sie wurde fast vollständig zerstört. Dank des Einsatzes vieler Menschen wurde sie schon am 2. Juni 1946 wieder eingeweiht und wird bis heute vorbildlich instand gehalten.

Die vierte Brünner Kirchengemeinde entstand 1945 in Brno-Husovice und besitzt ein Gemeindehaus in der Netušilova-Straße. Die Gemeinde ist jung und baut auf die Gemeinschaft junger Familien mit Kindern. Im Garten des Hauses wurde ein Blockhaus für die Kinder und Jugendlichen errichtet. Dort findet regelmäßig das Festival „Husovický dvorek“ (Husovicer Hof) statt, bei dem man die Eröffnung von Ausstellungen und Theatervorstellungen erleben kann. Beliebt sind auch die Big-Beat-Gottesdienste.

Auch die Tschechoslowakische Hussitische Kirche hat in Brno mehrere Gemeinden: die Hus-Gemeinde in einer funktionalistischen Kirche von 1929 in der Botanická-Straße, eine Kirche im Stadtteil Královo Pole, der erste konstruktivistische Sakralbau (1925), und die Erlöser-Kirche in Brno-Židenice.

Die Brüderkirche hat in Brno eine Gemeinde in der Kounicova-Straße. Das dortige Bethaus mit einem großen und einem kleinen Saal wurde 1924–1925 erbaut. Zur Brüderkirche gehören außerdem die Gemeinden Brno-Královo Pole und Brno-Betanie.

Die jüdische Synagoge von 1885 wurde am 16. März 1939 niedergebrannt. Auch die anderen Synagogen überdauerten den Zweiten Weltkrieg nicht. Nur die Synagoge in der Skořepka-Straße wurde 1945 wieder aufgebaut und dient gottesdienstlichen Zwecken. Sie ist die einzige Synagoge auf dem gesamten Gebiet Mährens und Schlesiens, die noch in Benutzung ist.

Die orthodoxe Kirche nutzt die St. Wenzelskirche von 1931, die sich auf dem Spielberg befindet. Auch viele andere Kirchen haben in Brno, der Stadt der Toleranz, ihre Gotteshäuser.